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Das Prinzip der Offenheit und Informiertheit in der Scheidungsmediation

Zu Beginn eines Mediationsverfahrens einigen sich die Konfliktparteien und der Mediator auf bestimmte Regeln. Eine wichtige Regel ist die der Offenheit.

Das Prinzip der Offenheit

Nach dem Prinzip der Offenheit müssen die Konfliktpartner dazu bereit sein, sich gegenseitig alle Informationen offen zu legen, die für die Lösung des Konflikts wichtig sind. In der Scheidungsmediation geht es bspw. häufig um die Themen Unterhalt und Vermögensausgleich. Um hier eine faire Lösung zu finden, muss bekannt sein, wie viel die Ehegatten auf dem Konto haben und wie hoch das monatliche Einkommen und die notwendigen Ausgaben sind. Angestellte müssen bspw. ihre Gehaltsabrechnungen vorlegen. Selbstständige sollten bereit sein, die maßgeblichen Informationen zum Ertrag und Wert Ihres Unternehmens offenzulegen (Bilanzen nebst Gewinn- und Verlustrechnung bzw. Einnahmen-Überschussrechnungen sowie Steuerbescheide.)

Warum ist Offenheit wichtig für eine erfolgreiche Mediation?

Werden Informationen nicht offengelegt, können die Ziele der Mediation nicht erreicht werden. Denn nur in Kenntnis der Fakten kann eine faire und dauerhafte Lösung erarbeitet werden. Kommt nämlich nach der Mediation heraus, dass ein Konfliktpartner von falschen Voraussetzungen ausgegangen ist, wird er möglicherweise versuchen, die gefundene Einigung anzufechten oder sonst in Frage zu stellen. Zwar mag es manchem so vorkommen, sich durch das Geben umfassender Informationen “nackt zu machen”. Allerdings bestehen die Pflichten zur umfassenden Offenlegung der ökonomischen Verhältnisse bei Scheidungen auch im gerichtlichen Verfahren.

Offenheit bedeutet aber auch, mit seinen Zielen offen und ehrlich umzugehen und diese mitzuteilen. Wer A sagt, aber B meint, kann nicht erwarten, dass er Hilfe bekommt – so einfach ist das. Auch das erfordert manchmal Mut, denn Ziele, Wünsche und sogar Sehnsüchte mit einem Menschen zu teilen, mit dem man gerade einen Konflikt hat, ist sicher nicht immer leicht. Es macht aber auch “menschlicher” und gerade das ist immer die entscheidende Zutat für eine Vereinbarung, die sich gut anfühlt. Denn das Gesagte bekommt für andere erst dann einen Gehalt, wenn sie die Gründe und Ziele kennen, die damit im Zusammenhang stehen.

Informiertheit

Das Gegenstück zur Offenheit lautet (aktive) Informiertheit. Konfliktpartner sollten also bereit sein, die Ihnen zur Verfügung gestellten Informationen auch aktiv zur Kenntnis zu nehmen und nicht unbeteiligt in Empfang nehmen. Denn nur wenn jemand die offenbarten Hintergründe des anderen kennt, kann er  an einer sachgerechte Lösungen mitwirken.

Vertraulichkeit

Wenn sich die Konfliktpartner auf die Prinzipien Offenheit und Informiertheit geeinigt haben, ist es wichtig, dass die gegebenen Informationen auch vertraulich behandelt werden. Der Umfang der Vertraulichkeit kann von den Konfliktpartnern (vorher) vereinbart werden. Vertraulichkeit ist ein weiteres Strukturprinzip der Mediation, das sicherstellen soll, dass die mitgeteilten Informationen nicht missbraucht und z.B. gerichtlich verwertet werden können.

Mediatoren sind übrigens gesetzlich zur Verschwiegenheit verpflichtet. Sie können im Zivilprozess grundsätzlich auch nicht als Zeugen vernommen werden, sofern nicht die Zustimmung aller Konfliktpartner vorliegt. Das gilt bei Mediatoren, die im Grundberuf Rechtsanwälte sind, sogar für Strafprozesse.

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