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Wie gelingt eine  Scheidung mit Kindern?

Einen Wunsch werden Sie mit Ihrem Ex-Ehegatten bei einer Scheidung mit Kindern gemeinsam haben: Die Kinder sollen möglichst wenig unter Ihrer Trennung leiden. Wie das gelingen kann, erfahren Sie in diesem Artikel.

Rechtliche Aspekte der Trennung und Scheidung mit Kindern

Wenn sich ihre Eltern einvernehmlich scheiden lassen, leiden Kinder am wenigsten. Das bedeutet, dass alle Fragen, wie Unterhalt und Umgang, bereits einvernehmlich zwischen Ihnen geklärt sind, bevor Sie den Scheidungsantrag von einem Rechtsanwalt bei Gericht eingereichen lassen. Alleine durch die Trennung und Scheidung ändert sich nichts am Sorgerecht. Der Elternteil, der nicht mit dem Kind zusammen in einem Haushalt lebt, hat das Recht auf Umgang. Am besten regeln Sie die Fragen, die im Zusammenhang mit dem Wohnsitz des Kindes und den Umgang gemeinsam und ohne das Gericht. Denn ein gerichtliches Verfahren bedeutet Stress für alle Beteiligten. Erfahren Sie hier mehr darüber.

Unterstützung bei Konflikten

Das Jugendamt und diverse Beratungsstellen haben spezielle Angebote für die Trennung und Scheidung mit Kindern: https://www.kinder-im-blick.de/. Die Trennungs- und Scheidungsmediation ist eine weitere gute Möglichkeit, um Konflikte als Eltern gemeinsam zu lösen.

Die 5 goldenen Regeln bei Trennung und Scheidung mit Kindern

 

Als erfahrene Scheidungsanwälte und Mediatoren haben wir fünf goldene Regeln für sie zusammengestellt, damit die Trennung und Scheidung für Ihre Kinder möglichst schonend verläuft:

1. Die wichtigste Regel: Sprechen Sie vor Ihrem Kind nie schlecht über den anderen Elternteil

Machen Sie den anderen Elternteil schlecht, verletzen Sie damit Ihr Kind. Kinder lieben beide Elternteile. Das Gefühl zwischen den zerrissen zu sein, entwickeln Kinder schnell, wenn sie den Paarkonflikt live mitbekommen. Also schon dann, wenn sie einen Streit mithören. Gerne würden Kinder ihre beiden Elternteile vor Streit, Wut und Traurigkeit bewahren. Wen Sie sich miteindander vor den Kinder streiten, leiden sie. Dies kann Kinder in ihrer Entwicklung nachhaltig schädigen. In der Fachsprache nennt sich das Loyalitätskonflikt.

Beispiel: Sie sind frisch getrennt und der Ex-Partner kommt zu spät zum verabredeten Umgangstermin mit dem Kind. Sie ärgern sich und es sprudelt laut aus Ihnen heraus: Nie war er zuverlässig, dieses egoistische Verhalten ist schuld am Ende der Beziehung usw.

Problem: Das Kind steht traurig und hilflos daneben. Kommt Papa dann später, fühlt sich das Kind zudem in der Zwickmühle: Darf es sich über den Besuch freuen, wenn es davor schon so viel Ärger gab? Wie es sich auch verhält (Freude oder verhaltene Begrüßung), einem Elternteil wird es damit schlecht gehen, denkt das Kind.

Tipp: Schlucken Sie Ihren Ärger über die Unpünktlichkeit (zunächst) hinunter und erklären Sie Ihrem Kind ruhig und sachlich, dass ein Zuspätkommen nichts mit ihm zu tun hat, sondern manchmal in der „Erwachsenenwelt“ etwas Unerwartetes, wie ein Stau etc. dazwischenkommen kann.

Suchen Sie später das Gespräch unter vier Augen mit dem Ex Partner und klären Sie ab, ob andere Kontaktzeiten sinnvoll sind, damit sich das Kind auf den Umgang freuen und die Kontakte möglichst stressfrei verlaufen können.

2. Stellen Sie das Kind nie vor die Wahl sich zwischen den Elternteilen entscheiden zu müssen

Fragen Sie Ihr Kind nie, wo es lieber wohnen oder mit welchem Elternteil es gerne mehr Zeit verbringen würde. Auch wenn Sie diese Fragen vielleicht nicht so direkt stellen würden, kann ein Kind das so empfinden. Diese Fragen sollten Sie als Eltern zunächst unter sich klären und Ihrem Kind dann gemeinsam mitteilen. Ansonsten besteht die Gefahr, dass sich Ihr Kind wie zwischen zwei Stühlen fühlt und in einen Loyalitätskonflikt gerät. Folge eines solchen Konflikts für das Kind kann sein, dass es seine eigenen Interessen und Bedürfnisse nicht mehr wahrnehmen und artikulieren kann. Es verliert das Gespür für sich.

Tipp: Klären Sie die Fragen, die das Kind betreffen zunächst unter sich und ohne das Kind zu befragen. Erzählen Sie ihm dann, wie das neue Leben nach der Trennung und Scheidung aussehen wird. Erproben Sie die gefundenen Umgangsregelungen mindestens 3 bis 6 Monate und beobachten Sie, wie es Ihrem Kind dabei geht. Wenn eine Regelung doch nicht so passend ist, können Sie sie gemeinsam wieder abändern. Während diese Übergangszeit ist es für das Kind wichtig zu wissen, dass beide Elternteile es lieben und das es selbst auch beide Elternteile lieben darf. Es muss sich nicht zwischen Ihnen beiden entscheiden. Sagen Sie ihm dies so oft wie möglich.

3. Erzählen Sie den Kindern keine Details über das Ende der Paar-Beziehung

Ihr Kind ist nicht ihr Therapeut. Eltern neigen dazu, sich vor den Kindern rechtfertigen oder für das Scheitern der Beziehung entschuldigen zu wollen. Manche glauben, Ihr Kind werde die Trennung verstehen, wenn es die Gründe kennt. Dies vor allem dann, wenn das schon etwas älter ist und nach dem „Warum“ fragt. Es ist mit der Situation durch diese Erklärungen jedoch überfordert. Alles, was Sie dazu bewogen hat, die Paar-Beziehung letztlich zu beenden, hat nichts bei Ihrem Kind zu suchen. Als verlassener Elternteil erzählen Sie Ihrem Kind am besten auch nicht, wie sehr Sie unter der Trennung leiden.

Tipp: Dass die Trennung für Sie notwendig ist, sollten Sie nicht begründen oder vor Ihren Kindern rechtfertigen. Erklären Sie Ihren schon etwas älteren Kindern am besten zusammen mit Ihrem Partner, dass Beziehungen zwischen Erwachsenen nicht immer gleichbleiben, sondern sich verändern. Eine solche Veränderung in der Paar-Beziehung zwischen zwei Erwachsenen ist die Trennung und Scheidung.

Machen Sie deutlich, dass in der Eltern-Kind-Beziehung die Gefühle, also die Liebe und Zuneigung bleiben. Was sich ändert sind die äußeren Umstände, also z.B. das Leben in getrennten Wohnungen. Ihre Kinder werden älter und spätestens, wenn sie einmal selbst eine eigene Paar-Beziehung geführt haben, werden sie erleben, was eine Trennung bedeutet.

4. Fragen Sie Ihre Kinder nicht über den anderen Elternteil aus

Wenn Ihr Kind bei dem anderen Elternteil ist, möchten Sie sicher gehen, dass dort alles in Ordnung ist. Vielleicht gibt es auch schon einen neuen Partner/in. Sie möchten wissen, wie der oder die Neue so ist und wie er oder sie mit Ihrem Kind umgeht.

Beispiel: Sie wissen, dass es einen neuen Partner gibt. Sie haben sich aber noch nicht kennengelernt. Sie fragen Ihr Kind nach dem Umgangswochenende, wie es den Neuen findet.

Problem: Das Kind erzählt Ihnen unter Umständen, was es glaubt, dass Sie hören wollen, insbesondere dann, wenn die Beziehung zwischen Ihnen und Ihrem Ex Partner nicht so gut ist. Also z.B., dass die neue Partnerin sehr streng ist. Dies passiert vor allem dann, wenn es glaubt, es sei nicht ok, beide Elternteile weiterhin gleichermaßen lieb zu haben.

Tipp: Regen Sie ein persönliches Kennenlernen an und machen Sie sich ein eigenes Bild. Dass Sie besorgt oder neugierig sind, ist normal. Damit Ihr Kind aber nicht in eine belastende Situation kommt: Vertrauen Sie Ihrem Kind. Wichtige Dinge wird Ihnen Ihr Kind von sich aus erzählen. Vertrauen Sie auch Ihrem Ex-Partner/in. Er/Sie will auch das Beste für das Kind.

5. Sagen Sie Ihren Kindern so häufig es geht, dass sie von  beiden Elternteilen geliebt werden

Scheidungskinder fühlen sich leicht für die Trennung ihrer Eltern verantwortlich. Sie fühlen in der neuen Situation hilflos und alleine. Folgendes können Sie Ihren Kindern daher nicht häufig genug spüren lassen und Ihnen sagen:

  1. Sie werden von beiden Elternteilen geliebt
  2. Beide Elternteile sind weiterhin für sie da
  3. Sie dürfen weiterhin beide Elternteile lieb haben

Wenn Sie diese Regeln beherzigen und es Ihnen nach der Scheidung selbst gut geht, stehen die Chancen gut, dass Ihre Kinder so wenig wie möglich unter der Trennung leiden.

Tipp: Als weiterführende Literatur empfehlen wir: „Glückliche Scheidungskinder, Was Kinder nach der Trennung brauchen“, von Remo H. Largo und Monika Czernin, Piper Verlag, 2015 und/oder ihr zuvor 2004 erschienene Buch „Glückliche Scheidungskinder, ebenfalls aus dem Piper Verlag.

 

 

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